Frühlingserwachen – WEG MIT DECKELN UND DEGRESSIONEN!

Frühlingserwachen – WEG MIT DECKELN UND DEGRESSIONEN!
Mittwoch, 18. Januar 2012

Stehen wir mit Stolz und Respekt zu unserer ärztlichen Leistung. Welches EDV Unternehmen verrechnet Ihnen für die dritte Arbeitsstunde am Ordinations - PC nur mehr ein Drittel des Normaltarifes?  Wo finden Sie`s – beim Arzt - speziell im § 2 Kassenbereich.
Herr Pesserl kommt gegen Quartalsende nicht um ein Drittel seiner Gage zur Arbeit, GKK Angestellte haben keine Degression bei der Überstundenabgeltung, der bekannte Rückstau in der Wählärzteabrechungsabteilung  führt nicht zur Taktfrequenzerhöhung der Mitarbeiter, sondern es werden Abrechnungsrückstände von 2 bis -3 Monaten in Kauf genommen oder neue Mitarbeiter eingestellt!
Warum  sollen wir ÄrztInnen uns mit Deckeln und Honorardegressionen an der Nase herumführen lassen – NIEMAND SONST nimmt eine solche GERINGSCHÄTZUNG seiner ARBEITSLEISTUNG in Kauf! Alle anderen verrechnen korrekt, stellen  für  Mehrarbeit Personal ein, oder lassen warten. Warum sind auch wir Wahlärzte massiv betroffen? Weil unsere Patienten aus dem §2 Kassenbereich lächerliche Kostenrückersätze bekommen. Jeder Wahlarzt kennt den nahezu reibungslosen Kostenrückersatz bei BVA, SVG, KFA, VAEB  – und das ewige Leid und das Feilschen um Positionen bei GKK und SVB!
Mehr Arbeit heißt weniger Geld, der Patientenstrom ist ohne Selbstbehalt nicht regulierbar und das Honorar sinkt mit jedem Besuch. Wir Ärzte tragen die  ureigenste Verantwortung der Krankenversicherung  - das Risiko!
Welcher Akademiker behandelt einen Patienten beim vierten Besuch im Quartal um 3,67 Euro brutto – der Arzt! Um diesen Preis bekommt man nicht mal eine Jause. Schlussfolgerung:  Der Stolz einer modernen Ärzteschaft verbietet Knebelverträge!
Unsere Lösung: Gleiche Leistung bei gleichen Beträgen - Einführung von 20 % Selbstbehalt für alle § 2 Versicherten und 10 % Selbstbehalt für Versicherte 12 Monate nach jeder Vorsorgeuntersuchung oder in einem DMP!
Eine sinnvolle Frequenzreduktion wird bei gesteigerter Honorierung der aufgewendeten Zeit pro Patienten das ärztliche Leben verbessern, die Behandlungsqualität steigern und mittelfristig bei verbesserter Primärversorgung die medizinischen Folgekosten reduzieren.
Besser fünf Patienten um 250 €  primär eingehend untersuchen und behandeln und gesundheitlich zu managen, als zehn Patienten um 100 € mit einem Überweisungsschein zu versehen und die Folgekosten explodieren zu lassen. Schon die Einrechnung der Transportkosten alleine (ob via Rettung oder privat KFZ ) würden zu einer positiven Kostenbilanz führen.
Andernfalls scheint den § 2 Vertrag das evolutionäre Schicksal jener zu ereilen, die die Zeichen der Zeit verkannt und nicht zur Veränderung genutzt haben!

Dr. Clemens Stanek